Business, Gründen, Selbstständigkeit

Gründe fürs Gründen – Mein Weg in die Selbständigkeit 2/2

15. April 2021

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… Fortsetzung des 1. Teils

Ganz oder gar nicht – ab ins kalte Wasser

Es gibt natürlich auch andere Wege, seinen Job loszuwerden und zu gründen, wie z.B. erstmal seine Arbeitszeit zu verringern und die Selbständigkeit langsam nebenbei aufzubauen. Für mich hätte das aber nie funktioniert, da ich emotional frei sein muss für neue Wege und ich dabei Altlasten nur als Hürde sehe. Ich habe es versucht neben meinem Job – abends und am Wochenende, aber das hat nicht funktioniert. Also, erst ein Kapitel beenden und dann voll rein ins neue. Ja, das kalte Wasser ist genau das was ich brauche. Volle Konzentration auf den neuen Weg! Und mit freiem Kopf!

Die Sache mit den riskanten Entscheidungen

Bitte nicht falsch verstehen, denn naiv bin ich nicht. Für mich existiert aber der Begriff Risiko eigentlich nicht. Zumindest, wenn es um Entscheidungen geht, die das Leben betreffen. Ich entscheide nicht immer rational, mag sein, ich bin aber auch nicht leichtsinnig. Ich höre (mittlerweile) gerne auf mein Bauchgefühl. Mir hilft es bei schwierigen Entscheidungen immer, wenn ich mir das mögliche Worst-Case-Szenario einer Entscheidung ausmale. Was habe ich wirklich noch, wenn die Entscheidung doch nicht richtig war und ich womöglich scheitere?

In meinem Fall wusste ich immer: ich habe immer noch meine Familie und sie hat mich. Und ich hätte es dann zumindest versucht. Zudem hilft es immer, solche Entscheidungen mit dem Partner oder der Partnerin zu besprechen. Aber auch, wenn ich nicht so eine verständnisvolle Frau hätte, wäre meine Entscheidung wohl trotzdem dieselbe gewesen.

Außerdem glaube ich fest an meine Ideen. Ein starker Wille kann bekanntlich Berge versetzen, nicht wahr? Ein relativ bekannter Fotograf sagte einmal: Wenn Du etwas nicht erreichst, was Du Dir vornimmst, hast Du es nur nicht genug gewollt. Und wer nicht wagt, der auch nicht gewinnt. Und so weiter.

Den bequemen Weg kann jeder, aber nicht derjenige, der seine ganz eigene Vorstellung vom Leben hat!

selbstaendig-als-hochzeits-fotograf©pmb-3

Glücklich mit der Entscheidung zur Selbständigkeit als Fotograf.

Gründen geht nur mit viel Startkapital?

Ich gehöre nicht zu der Sorte Gründer, die etwas nur dann umsetzen, wenn alle Regler auf Grün stehen. Soll heißen, ich gründe nicht erst dann, wenn ich eine stattliche Summe zur Seite gelegt habe und alle Punkte auf meiner Liste abgehakt sind. Wenn man etwas will klappt es entweder oder es klappt nicht. Was spielt Geld dabei für eine übergeordnete Rolle? Je nach Gründungsvorhaben ergibt Geld natürlich auch mal Sinn. Sagen wir, Du machst eine Eisdiele auf und hast keinen Cent. Doof. Aber meistens gibt es immer Wege, mit wenig Mitteln viel zu erreichen. Dein Kopf ist Dein Kapital.

Ich will nicht sagen, dass Startkapital schaden würde – gewiss nicht. Nur war es bei mir eben nicht so – ich hatte keine Goldbarren im Keller, auch meine Frau war immer noch voll mit den Kindern beschäftigt und konnte nicht in den Beruf einsteigen (und das fanden wir auch gut so).

Aus heutiger Sicht würde ich Gründern nahe legen, ein gewisses Grundeinkommen bzw. einen finanziellen Puffer für den Anfang bereitzuhalten, um in den ersten Monaten den Kopf für das Business frei zu haben. Ich hatte, wie gesagt, kein großes Startkapital und ich glaube ich brauchte auch genau diesen Druck, weil es eben klappen musste!

Nachtschichten mit Vergnügen

Bis nachts um 2 Uhr am Laptop zu sitzen und morgens um 6 Uhr weiterzumachen – das machst Du nicht, wenn es finanziell ja eigentlich alles ganz entspannt ist und es keinen wirklichen Termindruck für etwas gibt. Gerade am Anfang (und auch später noch) braucht man genau diesen enormen Biss, der einen über sich selbst hinauswachsen und immer weiter hungrig bleiben lässt.

Und auch hier hilft einem zusätzlich das Worst-Case-Szenario. Wenn ich scheitere, sitze ich übernächsten Monat wieder in irgendeinem Büro und sage dem Bürodrachen „Guten Morgen“. Natürlich kann man sich auch anders motivieren – der existenzielle Druck ist nicht die ultimative Anleitung. Mir hat er aber einen zusätzlichen Schub gegeben.

Manchmal frage ich mich, ob ich vielleicht schneller oder vielleicht einfacher erfolgreich selbständig gewesen wäre, wenn am Anfang der Selbständigkeit alles perfekt vor mir gelegen hätte. Die Frage kann ich natürlich nicht beantworten. Aber ich würde es jederzeit wieder so machen. Viele fragen mich danach, ob ich nicht viel mehr arbeiten müsse als früher. Kurz: Ja. Aber zumindest gerne.

Die Argumente einiger Menschen gegen die berufliche Selbständigkeit (ist ja auch nicht für jeden was) kann ich manchmal nicht nachvollziehen, da sich diese fast immer nur auf rationale Dinge beziehen wie Finanzen, Businesspläne, Wettbewerber und so weiter. Alles wichtig, aber wenn Du es nicht willst, wirst Du es auch nicht schaffen und diese Punkte werden Dir immer im Weg stehen. Anderenfalls akzeptierst Du diese und arbeitest an Deinem Plan. Andere bleiben in Ihrem Job und fühlen sich dort wohl, was ich absolut nicht verurteile. Es gibt Menschen, die streben nach Veränderung, Eigenverantwortung und vielleicht auch ein wenig nach Risiko – dann sind da die Stabilitäts- und Sicherheitsfanatiker. Das ist auch viel Typsache, für manche ist Selbständigkeit einfach nichts. Persönlichkeitsmerkmale kann man nicht einfach überschreiben, zumindest nicht aus einer Laune oder Unzufriedenheit heraus.

Und wenn Du es nicht genug willst, wirst Du sicher auch dann scheitern, wenn alles andere perfekt zu sein scheint. Vorbereitung ist gut, Passion ist noch besser. Beides zusammen, gepaart mit einem starken Willen, ist nicht verkehrt.

By the way – Scheitern darf man

Wer sagt eigentlich, dass es verboten ist zu scheitern? Das scheint ja nun ein deutsches Phänomen zu sein. Guck mal Gerda, der Herr Müller nebenan, der hat seine Firma gegen die Wand gefahren. „Tja selber schuld, habe ich ja gleich gesagt“, sagte er – nahm seine Tasche, ging zur Arbeit und kroch seinem Chef wieder in den… egal. So oder so ähnlich passiert es doch immer und immer wieder in unserem so gründungsfernen und -unfreundlichen Deutschland. Schauen wir in die USA, so sieht es dort ganz anders aus. Dort zeigt man nicht mit dem Finger auf den Gescheiterten, sondern hat Respekt vor dem Mut, den der Gründer hatte. Rappelt sich dieser wieder auf, weil er aus seinen Fehlern lernen will, wird er gefeiert.

Angst vorm Scheitern habe ich persönlich nicht, wenngleich man sich immer seiner individuellen Fallhöhe bewusst sein sollte. Ist man nur verantwortlich für sich selbst, kann man alles machen. Sorgst Du für eine Familie, dann ist es wichtig, dass das (finanzielle) Risiko überschaubar bleibt. Genau das gleiche gilt natürlich, wenn Du Personal hast.

Ich persönlich ziehe meinen Hut vor jedem einzelnen Gründer, der das Risiko einer Selbständigkeit eingeht. Und wenn er scheitern wird, dann ist das eben so. Aber er hat es zumindest versucht.

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Genau hierfür lohnte sich mein Weg in die Selbständigkeit.

Genau hierfür lohnte sich mein Weg in die Selbständigkeit.

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